Die Stimme des Stammgastes: Veränderungen im TAO

Ein Pfund Chili ins Essen

Neulich im TAO. Der Tisch nebenan ist für acht Personen reserviert und nett eingedeckt. Doch kein Mensch erscheint. Als ich Ka-Chu Leung, den Geschäftsführer, ein bisschen flapsig frage, ob er mit dieser Aktion verschleiern wolle, dass er nicht ausgebucht sei, entgegnet er mit ungewohnt ernstem Gesichtsausdruck: „Von wegen. In den letzten Jahren haben sich leider immer mehr Menschen angewöhnt, Tischreservierungen nicht mehr abzusagen. Dieses No Show ist hierzulande regelrecht zur Unsitte geworden – und das in Zeiten des Mobiltelefons. Auch später erfolgt nicht mal eine Entschuldigung. Ärgerlich daran ist vor allem, dass man anderen Gästen absagt, weil keine Tische mehr frei sind. Dieses Thema wird gegenwärtig unter Gastronomen heiß diskutiert, wir suchen nach Lösungen.“

Da ein Rheinländer wie unsereins um Ratschläge nie verlegen ist, gebe ich dem TAO-Chef ein paar Tipps: „Zur Strafe beim nächsten Besuch ein Pfund Chili ins Essen, Essig statt Wein ins Glas, neben dem Besteck ein Buch über Benimmregeln oder ein Zweit-Handy für Reservierungsabsagen, in extremen Fällen Lokalverbot auf Lebenszeit.“ Jetzt lächelt Ka-Chu wieder. Er bedankt sich höflich für meine Vorschläge, meint aber, sie seien nicht unbedingt praktikabel.

Ich lasse mich nicht entmutigen und lege nach: „Oder Sie nehmen bei der Reservierung die Kreditkartennummer auf, und bei No Show belasten Sie das Konto mit einem bestimmten Anteil.“ Diese Idee gefällt Ka-Chu. „Genau so praktiziert man es in den USA und in Ländern des United Kingdom, aber das ist in Deutschland rechtlich nicht haltbar“, bedauert er.

Nun weiß selbst ich nicht mehr weiter. „Und Sie, haben Sie denn gar keine Idee?“ frage ich – inzwischen ausgepowert und gedankenleer – den Chef des Hauses. „Doch“, sagt der und lächelt, „künftig werden im TAO reservierte Tische 15 Minuten lang vorgehalten und danach für andere Gäste freigegeben. Wer sich verspätet, kann sich telefonisch melden.“

Sag ich doch…

Tschö, Ihr Jupp Jonen